Mit Yoga verstehen: Ich BIN nicht schüchtern – aber ich FÜHLE mich manchmal so!

Passiert es dir auch manchmal, dass du Menschen überrascht und zwar mit einem scheinbar für dich völlig untypischen Verhalten? Vielleicht überrascht du sogar dich selbst damit? Vermutlich hast du bereits ein sehr vollständiges Bild von dir und hast dich gut kategorisiert, hast beurteilt in welche Schublade du passt, wie du dich wann verhältst und so weiter. Das Bild, dass du von dir hast und die Meinung die du über dich hast, beginnen in Formulierungen vermutlich mit „ich bin….“.

Dazu möchte ich dir heute etwas erzählen. Bestimmt werden manche von euch danach wieder fragen: „Wie kannst du über solche Gefühle und Erlebnisse so dermaßen offen schreiben?“ Weil ich es möchte und weil es mir gut tut, selbst klar zu sehen. Meine Yogapraktik und das Schreiben sind meine Art mich zu sortieren und mit mir ins Reine zu kommen. Meine Gefühle sind mir nicht peinlich, ich schäme mich nicht dafür. Meine Gefühle dürfen sein und ich nehme sie an – selbst dann, wenn sie mir in der Situation unglaublich unangenehm waren.

Lange Zeit habe ich über mich gedacht, dass ich schüchtern bin. Nicht schon immer! In der Volksschule habe ich es geliebt, ganz alleine vor der ganzen Klasse zu singen oder ein Gedicht aufzusagen. Dann ist das Leben passiert und ich habe beschlossen, dass es besser und sicherer ist, mich in mein Schneckenhaus zu verkriechen. Schulreferate habe ich gehasst und vor mehr als zwei Leuten zu reden, hat in mir den Wunsch hervorgerufen, im Erdboden zu versinken. Vor 10 Jahren, mit bereits 32 habe ich beschlossen, mich diesbezüglich selbst zu therapieren. Da ich schon sehr lange Yoga praktizierte und mich meine abgeschlossene Shiatsu-Ausbildung nicht vollständig erfüllte, entschied ich mich dazu, mich selbst ins kalte Wasser zu stoßen und eine Yoga-Ausbildung zu machen. Ganz bewusst wollte ich lernen, zu vielen Leuten zu reden und wieder anzudocken an dem Selbstvertrauen aus meiner Kindheit. Was soll ich sagen? Die Ausbildung war ein rieisengroße Herausforderung für mich! Nach und nach konnte ich tatsächlich gefallen daran finden, zu meinen Yogaschülern zu sprechen, meine Stimme zu hören, damit zu spielen und mich mehr und mehr sicher und sogar richtig gut zu fühlen.

Seit dem ist so viel Zeit vergangen, ich habe viele Menschen mit Yoga angeleitet, für sich selbst inspiriert und begeistert. Aus dem mich ständig begleitenden Lampenfieber und der Angst vorm Unterrichten, wurde eine schöne Vorfreude auf die jeweils bevorstehende Yoga-Einheit. Mittlerweile geniesse ich jede Stunde, die ich geben kann, die Angst hat dem wahrhaften Erleben meiner Präsenz Platz gemacht.  Das ist langsam passiert, nach und nach und Schritt für Schritt.

Aktuell sind zu diesem Thema 2 völlig konträre Begebenheiten passiert, die ich gerne mit dir teilen möchte, weil ich denke, dass ich damit nicht alleine dastehe. Vielleicht ist es bei dir nicht Schüchternheit, sondern eine andere Eigenschaft, die du glaubst oder überzeugt bist, zu sein.

Zusätzlich zu meinem Yogaunterricht und meinem Fantastic Yoga Life Project, habe ich im letzten Herbst gemeinsam mit meiner Kollegin und Freundin Barbara Füreder die Fantastic Life Werkstatt  gegründet. Daraus ist unser Jahrestraining „Echt.Leben.Jetzt!“ entstanden, mit dem wir veränderungsbereite Lebensmutige ein ganzes Jahr lang in ihrem jeweiligen Veränderungsprozess begleiten. Das Motto dazu lautet: „eigentlich bin ich anders, nur komme ich so selten dazu.“ Es ist eine Mischung aus Coaching, Lebensberatung, Mentaltraining und körperzentrierter Veränderungsbegleitung. Wir begleiten die Teilnehmer an 5 Präsenzwochenenden und darüber hinaus online und virtuell begleitet durch ein ganzes Jahr – niemand wird hier zwischendurch allein gelassen. Dieses Projekt ist aus einem großen Herzenswunsch heraus entstanden und das erste Wochenende mit 12 wunderbaren TeilnehmerInnen durften wir bereits erleben und begleiten.

Fazit: ich geniesse die Zusammenarbeit mit Barbara und diesen 12 Menschen sehr! Innerhalb dieses Jahrestrainings kann ich es mir erlauben völlig in meiner Rolle aufzugehen, zu strahlen und zu geniessen. An einem Tag des ersten Wochenendes ging es für unsere Teilnehmer inhaltlich darum, sich selbst zu beschreiben, aber anders als gewöhnlich: nicht „ich BIN xy“ sondern „ich FÜHLE mich xy“. Beim gemeinsamen Mittagessen wurde ich auf meine schöne Singstimme angesprochen und ich erzählte, dass ich die erst während meiner Yogalehrer-Ausbildung wieder entdeckt hatte. Dann sagte ich so etwas wie: „Ja ja, ich hab auch lange Zeit geglaubt, dass ich schüchtern bin, jetzt fühle ich mich nur manchmal so ;)“. Die Reaktionen darauf waren sehr verblüffend für mich. Man wollte mir nicht so recht abnehmen, dass ich schüchtern war oder mich auch jetzt noch manchmal schüchtern fühle.

Aber so ist es und das Exempel dazu konnte ich letzen Freitag statuieren.

Das Yogastudio, in dem ich auch Yogakurse gebe, brauchte Fotos aller Lehrer für die neue Webseite. Der Gedanke daran war mir schon unangenehm. Spaßfotos unter Freunden oder Familie sind völlig ok, aber „ernsthaft“ fotografiert zu werden, löst große Anspannung in mir aus. Die Yogafotos auf meiner Webseite sind mit meiner lieben Freundin Marianne Weiss entstanden, die ein Lied davon singen kann, wie lange es dauert, bis ich mich so entspanne, dass mein Kiefer nicht wie eingefroren aussieht! Und dass, obwohl wir da immer nur zu zweit sind. Am Freitag aber, da waren alle meine Yoga-Kollegen anwesend, alle bereit und herausgeputzt für tolle Fotos. Insgesamt, mit der Fotografin, waren 6 mal 2 Augenpaare auf mich gerichtet und schon bei den ersten Aufnahmen, den Porträitfotos, fühlte ich mich überhaupt nicht wie ich selbst.

So richtig schlimm war es dann bei den Yoga-Fotos: es schien so, als hätten alle viel Spaß am posen und Haltungen ausprobieren und machten den Eindruck, als könnten sie gar nicht genug davon bekommen. Ich dagegen habe zögerlich und ohne jede Freude, gefühlte 3 Haltungen „absolviert“ und wäre währenddessen am Liebsten im Erdboden versunken. Obwohl ich das vom fotografiert werden kenne, war es schlimm für mich, mich so ausgeliefert zu fühlen, so unsicher und so schüchtern! Ein Teil von mir hätte sich gerne geöffnet und mehr gezeigt und der größere Teil wollte einfach nur weg.

Nein, meine Yoga-Kollegen sind keine schrecklichen Menschen. Sie sind, jede(r) einzelne für sich, total liebe Leute und wunderbare Lehrer, die ich sehr schätze und gerne mag und ganz bestimmt lag es nicht an ihnen als Personen, dass ich mich so unwohl fühlte.

Ich bin es nicht gewohnt, Yoga unter Beobachtung zu praktizieren (mein Unterricht macht da die Ausnahme). Entweder übe ich alleine oder bin Teil einer Gruppe, die gemeinsam übt. Aber so heftige Gefühle aufzufahren, das war dennoch gewaltig.

Ganz unbekannt ist es mir ja nicht, mich unter Menschen wie eine Außerirdische zu fühlen. Aber was auch immer genau es ist oder wahr, ich weiß dennoch, dass ich nicht grundsätzlich schüchtern bin! Ich weiß dennoch, dass ich grundsätzlich keine seltsame, introvertierte oder gruppenuntaugliche Person bin.  Aber ich fühle mich manchmal so. Von Zeit zu Zeit kann es passieren, dass ich mich schüchtern fühle und ich will das annehmen. Ich bin das nicht, aber dieses immer wieder mal wiederkehrende Gefühl ist dennoch ein Teil von mir. Ich verachte mich nicht dafür, ich schimpfe nicht mit mir, ich mache mich nicht klein deshalb.

Yoga hilft mir dabei, mich nicht auf Gefühle zu reduzieren. Wenn ich mit mir in Kontakt gehe, nehme ich mich viel komplexer wahr, mit Allem, was mich ausmacht!

Mal halte ich mit kraftvoller Stimme und einer leuchtenden Aura, genussvoll eine Yogastunde und mal fühle ich mich klein und schüchtern und möchte mich einrollen und verstecken.
Beides darf sein und schließt das jeweils andere nicht aus.

Findest du dich wieder? In ähnlichen oder anderen Situationen? Wovon bist du überzeugt, dass du es bist? Vielleicht kannst du diese Beschreibung über dich auch verändern in: „ich fühle mich…“?

Teile deine Meinung und deine Erfahrungen zu diesem Thema gerne mit mir in den Kommentaren, ich freue mich darauf, von dir zu lesen!

Wenn du mit mir arbeiten willst gibt es mehrere Möglichkeiten:

Falls du in Klosterneuburg bei Wien oder Nähe Tulln lebst, komme gern in einen meiner Kurse – klicke hier: Kurse & Workshops.

Wenn du mein online-Angebot nutzen möchtest (Pakete und Einzel-Termine), klicke hier: Online Yoga Project für Wohlfühl-Zeit mit dir selbst.

Alle Infos zum Jahrestraining findest du hier: Fantastic Life Werkstatt

Du willst mich & meinen „Spirit of Yoga“ kennenlernen?

Hol dir im
deinen kostenfreien Plaudertermin, damit wir sehen, ob wir auf einer Wellenlänge schwimmen.

Ich freue mich auf DICH!

Herzens-Grüße,
Unterschrift - Andrea Schmoll

Ich bin Andrea, Gründerin von Fantastic Yoga Life Project, Yoga-Lehrerin, Bloggerin und Herzrebellin. Ursprünglich Wienerin, lebe ich gemeinsam mit meiner Familie seit einigen Jahren etwas außerhalb, in einem kleinen, niederösterreichischen Dorf. Ich praktiziere seit vielen Jahren Yoga, Meditation, Gedankenzauber, sowie weibliche Rituale. Mein Spirit kommt aus ganzem Herzen, hingebungsvoll und frei von Dogmen.
2 Kommentare
5. Juli 2017, von Claudia

Liebe Andrea, oh ja, ich finde ich darin sehr gut wieder und lerne auch immer mehr, dass alles da sein darf und fühle mich dadurch immer mehr in meinem GANZSEIN angekommen! Herzliche Grüße, Claudia

5. Juli 2017, von Andrea Schmoll

Liebe Claudia, das klingt wunderbar! Vielen Dank für’s teilen und Liebe Grüße, Andrea

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