Lass‘ los – go with the flow!

Wir haben Herbst. Gegen Ende des Sommers verspüre ich immer eine kleine Wehmut, weil meine liebste Jahreszeit zu Ende geht. Aber auch den Herbst finde ich ganz wunderbar. Wenn die Blätter sich in allen Gelb-, Rot- und Orangetönen färben, beginnt langsam die Zeit der Innenkehr und es ist immer eine günstige Zeit, um sich dem Thema Loslassen zu nähern.

Hier dazu eine meiner Lieblingsgeschichten:

Ein Baum bekommt im Frühling frische, saftiggrüne Blätter und trägt sie stolz mit seinen Früchten. Im Sommer werden die Früchte geerntet oder gefressen oder fallen ab. Im Herbst verfärben sich die Blätter und im Übergang zum Winter, fallen sie ab.

Wie geht’s dem Baum damit, dass er seine Blätter verliert? Gut! Wie seltsam wäre es, wenn er damit ein Problem hätte: „Ich habe so wunderschöne, grüne Blätter! Die gebe ich nie wieder her! Ich will, dass ich für Immer so wunderhübsch aussehe! Ohne diese Blätter könnte ich nicht leben! Ohne diese Blätter bin ich nichts. Wieso färben sich meine schönen, grünen Blätter ganz gelb? Das will ich nicht! Was hat das zu bedeuten? Oh nein, meine Blätter werden ja ganz braun und dürr! Wie schrecklich! Jetzt ist mir sogar eines abgefallen! Das passiert mir nicht noch einmal, die Anderen halte ich jetzt alle gaaaanz fest!!!“

Die Blätter zu verlieren ist für den Baum „kein Thema“. Der Baum „weiß“ darum, dass er Teil des natürlichen Zyklusses ist, in dem es immer wieder darum geht, Altes loszulassen, sich auszuruhen und Kraft zu schöpfen, für das Frische und Neue. Weil es ganz selbstverständlich für ihn ist, darauf zu vertrauen, dass neue Blätter kommen werden, wenn es Zeit dafür ist.

Ohne Loslassen kann nichts Neues entstehen und ohne Veränderung, bleibt unser Leben starr. Obwohl das ja in sich ein Widerspruch ist, denn Leben IST die pure Veränderung und eben diesem natürlichen Zyklus unterworfen. Das bedeutet also, dass auch dann, wenn wir uns nicht in der Lage fühlen Etwas, Jemanden oder eine Situation loszulassen, das Leben in und rund um uns weitergeht. Wir können das nicht verhindern oder dem entgehen. Wenn wir an Etwas festhalten blockieren wir uns damit, stehen uns selbst im Weg und verhindern den natürlichen Flow.

Wir Menschen sind auch Teil der Natur und gerade weil wir diesem natürlichen Zyklus, ebenso wie der Baum, unterworfen sind, ist es sehr hilfreich, sich diesem Fluß hinzugeben. Wir dürfen darauf vertrauen, dass, wenn wir „ausgeben“ (sei es Geld oder Energie), danach auch wieder Fülle einkehrt oder, dass wir uns nach einer Krise wieder aufrichten. In dem wir loslassen, unterstützen wir diesen Prozess bedeutend: go with the flow!


Yoga kann uns wunderbar dabei unterstützen, loszulassen. Wenn wir meditieren oder Asanas (Körperhaltungen) üben, lassen wir Gedanken frei und entlassen Spannung aus dem Körper.

Wenn du magst, übe hier anhand einer einfachen Yoga-Asana das Loslassen:

Vorwärtsbeuge im Sitzen (Paschimothanasana)


Setze dich im „Langsitz“ auf den Boden. Wenn du gleich das Gefühl hast, dass es unangenehm für dich ist, so zu sitzen, leg einen flachen Polster oder eine zusammengerollte Decke unter dein Gesäß. Deine Beine können, müssen aber nicht durchgestreckt sein. Vielleicht möchtest du die Beine anwinkeln oder eine Deckenrolle unter deine Knie liegen. Mach es dir so bequem wie möglich.


Nun richte dich erstmal auf.
Atme tief über die Nase ein und zieh‘ gleichzeitig dein Brustbein vom Nabel weg nach oben. Du wirst merken, um wieviel aufrichter du nun sitzt. Lass‘ deine Schultern absinken und bewege dich mit deinem nächsten Ausatmen langsam nach vorne in Richtung deiner Beine. Du kannst deine Hände auf oder neben deine Beine legen. Bleibe mit deinem Oberkörper erstmal aufrecht, denn du möchtest den unteren Rücken dehnen und hältst deshalb deine Wirbelsäule lang. Von der Idee her soll die Bewegung sich so anfühlen, als ob du deinen Oberkörper auf deinen Oberschenkeln ablegen wolltest.

Hier ist es wichtig, dass du dir Zeit lässt. Du musst nicht von Null auf Hundert in deine optimale Körperhaltung hineinfinden! Spür‘ deine Atmung auf und atme so ruhig und so tief wie möglich über deine Nase ein und aus. Nimm‘ Alles wahr, was in dieser Haltung spürbar ist und auch, in welchen Körperbereichen. Registriere deine Gedanken, die vermutlich in deinem Kopf herumschwirren. Sortiere Alles aus, was davon dir  Jetzt in dieser Körperhaltung nicht dienlich ist. Du kannst mit deiner Aufmerksamkeit immer wieder zu deiner Atmung zurückkehren. Das Ausatmen kannst du dazu nützen, tiefer in die Haltung hineinzufinden.

Alles neu erleben. Wandere so weit nach vorne, wie dein Körper es braucht, um zu spüren, was diese Übung macht. Und zwar unabhängig davon, wie du diese Haltung schon einmal erlebt hast. Nur was du Heute brauchst, zählt! Und bitte auch unabhängig davon, was du darüber im Kopf hast, wie die optimale Vorwärtsbeuge auszusehen hat! Du machst das auf deine einzigartige Weise 🙂

Gehe dem nach, was der Körper heute braucht. Unabhängig davon, was dein Kopf sagt! Am Anfang wird dein Ego dich dazu bringen, dich mit Willen und Kraft weiter nach unten zu ziehen. Das darf auch sein! Aber sobald du dich dann in der Haltung befindest, erlaube dir, dein Wollen gehen zu lassen und deinen Körper der Schwerkraft zu übergeben. Du kannst auch ein kleines Mantra sagen oder denken, wie z.B.: Ich lasse los. Loslassen. Hineinschmelzen. Nach und nach wirst du wahrnehmen, dass Einiges von der anfänglichen Spannung gar nicht wirklich in deinem Körper, sondern in deinem Denken verankert war. Vielleicht merkst du, dass sich Spannung löst und du mit dem nächsten Ausatmen etwas tiefer gehen kannst.

Vertiefe dich in dieser Haltung. Bleib noch ein bißchen da und atme weiterhin so ruhig und so tief wie möglich. Um aus dieser Asana den größmöglichen Nutzen für dich heraus zu holen, darfst du dich fragen: Und wie wird’s noch besser? Passe nach und nach Alles so an, dass du dich innerhalb dieser Körperhaltung so wohl fühlst, wie möglich. Lass‘ deine Schultern absinken, entspanne deine Stirn und dein Kiefer und immer wieder auch deinen Geist. Bleib noch für ein paar Atemzüge mit deiner ganzen Aufmerksamkeit und aus ganzem Herzen hier in deinem Körper!

Wenn du die Asana auflöst, nimm einen tiefen Atemzug und lass‘ mit dem Einatmen deinen Oberkörper langsam hochrollen.

Diese Anleitung ist sehr lang, aber so detailliert leite ich meine Yoga-Einheiten auch an, weil ich möchte, dass meine Kunden aus dem Vollen schöpfen.


Vielleicht bist du schon da, wo du sein willst. Vielleicht brauchst du auch für eine Weile eine Begleitung an deine Seite, die dich dabei unterstützt, dich leichter und freier zu fühlen und dir selbst näher zu kommen. 

Ich bin gespannt, was du zum Thema Loslassen zu sagen hast. Wenn du Lust hast, teile deine Meinung und deine Erfahrungen mit mir in den Kommentaren, ich freue mich darauf, von dir zu lesen!


Du spürst, dass du mit mir arbeiten willst? Falls du in Klosterneuburg bei Wien oder Nähe Tulln lebst, komm‘ in einen meiner Yoga-Kurse.

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Ich freue mich auf DICH!

Herzrebellische Grüße,
Unterschrift - Andrea Schmoll

Ich bin Andrea, Gründerin von Fantastic Yoga Life Project, Yoga-Lehrerin, Bloggerin und Herzrebellin. Ursprünglich Wienerin, lebe ich gemeinsam mit meiner Familie seit einigen Jahren etwas außerhalb, in einem kleinen, niederösterreichischen Dorf. Ich praktiziere seit vielen Jahren Yoga, Meditation, Gedankenzauber, sowie weibliche Rituale. Mein Spirit kommt aus ganzem Herzen, hingebungsvoll und frei von Dogmen.
4 Kommentare
1. November 2016, von Helga Burian-Ruf

Liebe Andrea,
vielen Dank für diesen Artikel! Oh, wie kenne ich sie gut, die Schwierigkeiten mit dem Loslassen und die Wehmut, wenn sich etwas ‚Gewohntes‘ in meinem Leben ändert. Ja man darf natürlich Abschied nehmen, aber das Fließen-Lassen ist genauso wichtig. Deshalb liebe ich deine Geschichte mit dem Baum so sehr, und auch deine wunderbare Yoga-Übung zu diesem Thema – sie wirkt wunderbar und sofort! 🙂 Danke dir, du Liebe!
Schönen Feiertag und bis bald, Helga – http://www.soul-and-system.at

2. November 2016, von Andrea Schmoll

Vielen Dank liebe Helga!
Ja, wenn man sich Zeit nimmt und einlässt, wirkt Loslassen sofort. Es ist toll, zu merken, daß man nicht zurüchgehalten oder festgehalten wird, sondern selbst zurückhält, festhält. Das verändert auch abseits von Yogaübungen alle Möglichkeiten im Leben…
Bis bald!

28. Oktober 2016, von Andrea

Liebe Andrea,
das ist einmal mehr ein so inspirierender Artikel. Loslassen ist für mich persönlich so essentiell. Es wirkt befreiend, trägt dazu bei sich leicht zu fühlen und bereit für Neues zu sein.
Danke für diese wundervolle Yogaanleitung in Verbindung mit dem Loslassen!
Ich freue mich schon auf deine nächste Inspiration.
Alles Liebe
Andrea

28. Oktober 2016, von Andrea Schmoll

Ganz genau liebe Andrea – und vielen Dank, es freut mich riesig, auch dass meine Yogaanleitung so gut bei dir ankommt!

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