Friede beginnt bei dir

Der berühmte Yogalehrer Yogi Bhajan hat einmal gesagt: „Verstehe durch Mitgefühl, sonst missverstehst du die Zeit“. Es fällt uns meistens nicht schwer, Mitgefühl mit Menschen zu haben, die leiden. Oder mit Menschen die wir lieben und mit denen wir tief verbunden sind. Der November ist mit Allerheiligen und seinen grauen, feuchten Tagen für mich immer eine Zeit des Rückzugs und des Denkens an meinen Vater, der bereits vor 14 Jahren (im November) gestorben ist. Er war schwer krank und wir hatten schon seit vielen Jahren keine Beziehung mehr, weil er diese verweigerte. Dennoch hatte ich die Möglichkeit, mich zu verabschieden und meine Liebe und mein Mitgefühl für meinen Vater über Alles Vergangene zu stellen. Heute habe ich eine sehr tiefe, liebevolle Beziehung zu ihm und weiß, was es bedeutet, über den Tod hinaus zu lieben. Liebe stirbt nie!

Wie steht es um unser Mitgefühl, wenn wir mit Menschen konfrontiert sind, die uns mißfallen, herausfordern, ärgerlich oder wütend machen?

Gabrielle Bernstein schreibt:

„Mitgefühl ist nicht etwas, das wir erzeugen, sondern etwas, das wir erleben. Wenn wir unser Herz öffnen, können wir Teile von uns in der anderen Person sehen und zulassen, dass Mitgefühl die Energie ist, mit der wir uns durch unsere Beziehungen und Handlungen bewegen. Wenn mehr Menschen von einer solchen Basis der Empathie aus handeln, wird es keinen Platz mehr für Krieg, Hass und Angriff geben. Es wird Frieden herrschen.“

Mein Großvater wurde 101 Jahre alt. Er wurde 1914 geboren. Seine Frau, meine Großmutter, ist im Oktober 2015 mit 94 Jahren gestorben. Danach fühlte auch mein Opa sich bald bereit dazu, seinen Körper zu verlassen. Meine Tante, die Schwester meines Vaters, hatte Beide während ihrer letzten Lebenswochen bei sich in ihrem Haus einquartiert, wo sie liebevoll gepflegt wurden. 3 Wochen vor seinem Tod waren ich und meine Familie zum letzten Mal bei ihm, um uns zu verabschieden. Er wollte danach keinen Besuch mehr und wir haben das aktzeptiert. Es war eine wunderschöne, unvergessliche, letzte Begegnung. Das, was von meinem Opa unter dem Deckenberg hervorlugte, war nicht mehr viel. Sein Körper war klein und zerbrechlich geworden. Doch seine Augen waren immer noch blitzblau und sein Geist und sein Verstand immer noch glasklar.

Mein Großvater und ich, wir waren nicht immer einer Meinung. Sogar recht selten. Oft haben wir heftig diskutiert und er ließ mich dann wissen, dass er meine Art zu leben nicht befürwortet. Häufig hatte ich das Gefühl, ihm nicht genug zu sein. Viele seiner Ansichten haben mich rasend gemacht. Er war bereits 100 – da hat er mich so gekränkt, dass ich eigentlich keine große Lust hatte, ihn wieder zu sehen.

Bei diesem letzten Besuch aber, da war all das nicht wichtig. Das Einzige was zählte war, seine Hand zu halten und da zu sein. Mich zu entschuldigen. Mich zu bedanken. Ihm zu sagen, wie sehr ich ihn liebe. Ihm zu sagen, dass ich die Zeit und die Erlebnisse mit ihm, immer in Erinnerung halten werde. Dass es wunderbar ist, einen Großvater zu haben.

Meine gekränkten und beleidigten Gefühle, mein Ärger, meine Wut, mein Unverständnis, meine Fragen, mein Auflehnen – Alles, was da an Energien seit meiner Kindheit zwischen uns war,  – war verpufft.

Was stattdessen spürbar war, war Liebe und Frieden, ein sehr tiefes, friedvolles Körper-, Seele-, Geistgefühl. Plötzlich konnte ich ihn, den Menschen, der er war, hinter der Rolle, die ich als Enkeltochter von ihm präsentiert bekam, wahrnehmen. Mir wurde erst so richtig bewusst, wie vielschichtig sein Leben gewesen ist: Wie unglaublich viel er in 101 Jahren erlebt und getan, erschaffen und bewältigt hat. Welche Umstände ihn tatsächlich davon abhielten, auch nur daran zu denken, sein Talent – er war ein begeisteter Hobby-Dichter – eventuell auch beruflich zu leben. Wie wenig er in Wahrheit von sich selbst gehalten hat und dass er deshalb für mich immer noch mehr wollte.

Mein Herz war offen und mein Großvater konnte aussprechen, was ich nie zuvor von ihm zu hören bekommen hatte: dass er mich liebt, dass er sehr stolz auf mich ist, dass er froh ist, dass er sein Leben mit mir, mit uns, teilen durfte – und dass er mir und uns Allen, ein Leben in Frieden wünscht.

Wir haben uns völlig bewusst voneinander verabschiedet. Er hat mir ein schönes Leben gewünscht und ich ihm ein schönes Verlassen seines Körpers. Wir haben Rotz und Wasser geheult und gleichzeitig war es so wunderbar, so rund, so stimmig, so einig. So friedlich. Für diese letzten Stunden mit meinem Opa, bin ich sehr dankbar. Hier konnte ich auch Vieles mitheilen, das mit dem Tod seines Stiefsohnes/meines Vaters noch immer nicht so ganz klar für mich war. 

Wenn so eine Erkenntnis und so ein Abschied möglich ist, ist es ein Geschenk. Viel wichtiger aber ist es, im Leben, im Alltag, öfter friedlich zu sein, mit den Menschen, die uns begegnen. Wir sollten öfter darauf verzichten, Recht zu haben, besser zu sein, stärker oder schöner. Wir könnten öfter über unseren Schatten springen und darauf verzichten, beleidigt zu sein – und uns selbst fragen: du meine Güte, ist das wirklich so tragisch? Vor allem: ist es wert, deshalb in Streit zu sein? Wir können öfter mal unsere Gedanken überprüfen und uns bewusst machen, was wir über unsere Mitmenschen denken und auch, wie wir über sie reden. Wir sollten nicht immer alles glauben, was in Klatsch und Tratsch verbreitet wird und diesen auf gar keinen Fall weiterverbreiten, bevor wir uns nicht selbst von seiner Richtigkeit überzeugt haben.

Friede beginnt bei mir, bei dir, bei Jedem von uns.

Lasst uns, Jeder für sich, in unsere ganze Kraft kommen, liebevoll und achtsam mit uns selbst. Wissend, dass wir einzigartige, vollkommene Wesen sind. Wissend, dass Platz für uns Alle ist und dass wir genügen und genau richtig sind – so wie wir sind. Sodass keine Konkurrenz, kein Übervorteilen, kein Neid, keine Eifersucht, kein Haß und kein Streit mehr nötig sind!

Du kannst deinen inneren Frieden mit folgender Meditation unterstützen:

Innerer Frieden-Meditation

Basis dieser Mini-Meditation ist der Satz „Friede beginnt bei mir.“ Schließe die Augen und atme ruhig. Führe nun die Finger-Spitzen von Daumen und Zeigefinger zusammen und sage im Geist „Friede“, dann tippe Daumenspitze und Mittelfinger aneinander und sage dir „beginnt“, für „bei“ bringe Ringfinger und Daumen zusammen und für „mir“ den kleinen Finger und den Daumen. Wiederhole den Satz mindestens eine Minute in normalen Sprechtempo und halte die Aufmerksamkeit auf deinen Fingerspitzen.

Diese Meditation ist besonders wirksam, wenn du sehr aufgewühlt bist und kann dich in wenigen Sekunden auf den Boden der Tatsachen zurückbringen.

Schließe die Meditation damit ab, in dem du einen tiefen Atemzug nimmst und deine Augen öffnest. Bleib noch einen Moment sitzen und spür‘ nach.


Vielleicht bist du schon da, wo du sein willst. Vielleicht brauchst du auch noch ein bißchen mehr Inspiration, um zu-Frieden mit dir zu sein und um zu erkennen, dass genau DU der wichtigste Mensch bist! Vielleicht möchtest du noch etwas öfter hören, dass du schon richtig bist, genau so, wie du bist!

Ich bin gespannt, was du dazu zu sagen hast. Wenn du Lust hast, teile deine Meinung und deine Erfahrungen mit mir in den Kommentaren, ich freue mich darauf, von dir zu lesen!

Du spürst, dass du mit mir arbeiten willst? Falls du in Klosterneuburg bei Wien oder Nähe Tulln lebst, komm‘ in einen meiner Yoga-Kurse.

Wenn du mein online-Angebot nutzen möchtest, wähle hier DEIN Fantastic Yoga Life Project für Wohlfühl-Zeit mit dir selbst – es gibt 3 davon & sie kommen alle aus dem Herzen!

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Ich freue mich auf DICH!

Herzrebellische Grüße,
Unterschrift - Andrea Schmoll

Ich bin Andrea, Gründerin von Fantastic Yoga Life Project, Yoga-Lehrerin, Bloggerin und Herzrebellin. Ursprünglich Wienerin, lebe ich gemeinsam mit meiner Familie seit einigen Jahren etwas außerhalb, in einem kleinen, niederösterreichischen Dorf. Ich praktiziere seit vielen Jahren Yoga, Meditation, Gedankenzauber, sowie weibliche Rituale. Mein Spirit kommt aus ganzem Herzen, hingebungsvoll und frei von Dogmen.
2 Kommentare
3. November 2016, von Veronika

Das zu lesen hat mich sehr berührt. Leider kann ich mich sprachlich nicht so schön ausdrücken. Daher Danke für diesen schönen Text. Alles Liebe Veronika

4. November 2016, von Andrea Schmoll

Liebe Veronika, damit machst du mir die grösste Freude – Menschen mit meinen Worten berühren, ja, das möchte ich! Herzlich, Andrea

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